Neubau Offenfronstall
Berghof Kalchrain
Berghof und Bohl Verkehrstechnisch direkt verbunden über ein ringartiges Netz von Feldwegen, weisen die beiden Landwirtschaftsbetriebe des Massnahmenzentrums Kalchrain „Berghof, und „Bohl» hinsichtlich ihres Landschaftsbezuges und hinsichtlich ihrer Gebäudesetzung die selbe Charakteristik auf. An beiden Orten kontrastiert die fast unendlich scheinende Weite des Alpenpanoramas mit dem klar gefassten Landschaftsraum der nahen Waldlichtung auf der Rückseite. Im wörtlichen Sinne „erfahrbar» wird das Landschaftserlebnis bei der Benützung der Flurstrassen, welche die Waldlichtungen „Huuswis» und „Bärgwis» in Längsrichtung durchwegen, und je nach Fahrtrichtung, den Blick entweder über das breite Thurtal freigeben, oder auf die dunkle Öffnung im Waldrand fokussieren. Akzentuiert werden die Landschaftsbezüge durch die Firstrichtung der Hauptbaukörper, welche in beiden Gebäudeensembles giebelständig zur Terrainkante, beziehungsweise zur Thur-Ebene ausgerichtet sind.
Hofbildung Die Setzung des neuen Stalles am „Berghof» erfolgt in leicht abgedrehtem Winkel zum historischen Okonomiegebäude und fügt sich in seiner Hauptausrichtung selbstverständlich im ortsbaulichen Kontext sowie im natürlichen Terrainverlauf ein. Auf seiner Südostseite bildet der Neubau einen hofartigen räumlichen Zusammenschluss zwischen den beiden Wohnhäusern und der alte Scheune. Die Parallelstellung des Baukörpers zur Flurstrasse sowie seine offene Gliederung in Nordwest-Südost-Richtung unterstützen die Wahrnehmung der fliessenden Landschaftsbezüge.
Das Bestreben, an landschaftlich sensibler Lage eine optimale Betriebs-Infrastruktur bereitzustellen resultiert in einer Gebäudetypologie, welche die Vorgaben aus der Machbarkeitsstudie differenziert interpretiert und umsetzt. Stall und Remise werden in zwei parallel stehende, schlanke Langhallen aufgeteilt, welche in ihrer Mitte einen offenen Raum mit Laufhof und Durchfahrt aufspannen. Die Längsseiten des Gebäudes sind den Hauptwindrichtungen abgewandt, während sich der geschützte Laufhof gegen Südosten öffnet und der Sonne zuwendet. Die Stirnseiten der beiden Längshallen werden auf der Nordwest- und auf der Südostseite mit einer Fassadenstruktur verbunden, welche den Bereich des Hofes portalartig überspannt und als Tragstruktur für die Schiebetore dient.
Sprengwerk Mit Blick auf die gewünschte Flexibilität und Manövrier-Freiheit schlagen wir eine Tragstruktur mit nur zwei Stützenpaaren vor. Die Grundrissorganisation gliedert die Gebäudelänge in drei Segmente von von 2x21m bzw. 1x18m. Für die Überbrückung dieser Spannweiten eignet sich das vorgeschlagene Sprengwerk sehr gut. Der Untergurt wird mit Stahlstangen am Binder aufgehängt. Die Nebenbinder sind im Konstruktionsraster von 3m angeordnet. Auch hier helfen Streben, welche auf dem Untergurt des Sprengwerks abgestellt sind, Spannweiten und somit Holzquerschnitte und Kosten zu minimieren. Die hofseitigen Dächer werden ebenfalls mit Streben abgestützt. Asymmetrische Lasteinflüsse auf den Untergurt infolge unterschiedlicher Dachneigungen werden durch ein Fachwerk aus 12mm Stahlstangen in dieser Streben-Ebene ausgeglichen. Die Aussteifung des Gebäudes in Quer- und Längsrichtung erfolgt mittels dreiecksförmiger „Zugschwerter» in den Binderachsen, bzw. mittels Streben in den Längsfassaden. Das gewählte Tragwerk ist trotz der beachtlichen Spannweiten sehr kostengünstig.
Neubau Offenfrontstall Berghof Kalchrain
2021
Verfahren
Studienauftrag nach Einladung
Bauherrschaft
Hochbauamt des Kantons Thurgau
Architektur
Lauener Baer Architekten
Mitarbeit
Jean Hartmann
Holzbauingenieur
Walter Bieler, Bonaduz
Â
